Dienstag, 31. Mai 2005"Sicheres Nachtleben" -- dreckiges Lachen im Hintergrund
Ja, da hat die Stadt Karlsruhe was gefunden, um das Leben seiner Mitbürger zu verbessern. Hier ganz besonders, das Nachtleben.
Ein gute Idee, eigentlich. :) Eigentlich, also nur. Wieso eigentlich nur "eigentlich"? http://www.karlsruhe.de/Aktuell/Stadtzeitung05/sz2103.htm Zuersteinmal schlägt das Wort "Sicherheit" in meinen Ohren inzwischen immer Alarm - Hatte das Wort seit geraumer Zeit doch immer den Anschein es würde verwendet werden, um die Kontrolle über die Bürger durch staatliche Maßnahmen zu rechtfertigen. Mehr Sicherheit brauchen wir! Für unsere Mitbürger - jawohl! Hier will man eine, man zitiert:
..durchsetzen. Sprechen wir mal technisch, man will eine globale Blacklist für sämtliche Betriebe pflegen. "Baust du hier Scheisse kommst du dort auch nicht mehr rein." Nun ist so ein Modell ja nicht unerprobt. Wie oft gab in der Vergangenheit Probleme mit Anschwärzung? Ich sehe da eigentlich kein Problem darin, jemanden, den ich nicht mag, in eine Sache hineinzuziehen - sei es nur aus niedrigen Beweggründen - um damit zu bewerkstelligen, dass derjenige Hausverbot in sämtlichen Nachtcafes und Diskotheken hat. Uff.. ein hartes Stück. Aber les' ich etwas weiter, so überlegt man diese "globale Blacklist" auch noch auf andere Städte auszuweiten! Oh, dämlich. Du wohnst in Karlsruhe, gehst gerne in Diskotheken. Das darfst du nicht mehr - du fährst also nach Pforzheim. Dort angekommen lässt dich auch keiner mehr rein... was macht man dann?Richtig. Sich beschweren. Und eventuell noch eine Klage wegen Diskriminierung einreichen - und zwar spätestens dann, wenn das Antidiskriminierungsgesetz auf den Weg gebracht ist. Man hört wieder dreckiges Lachen im Hintergrund.... aber das ist ein anderes Thema. Wir können ja auch total froh sein, dass endlich mal wieder Polizei und so lustige Projektgruppen, ein "konzeptionell wirkungsvolles Nightlife-Sicherheitspaket" geschnürt haben. Warten wir doch mal den daraufhin folgenden Hass ab. Vielen Dank. Mein Tip an die Behörden:Lasst Karlsruhe Karlsruhe sein und weitet euer Projekt nicht in andere Städte aus. Machen andere Städte ihre eigene "Blacklist" so ist das eben die zweite Chance für "Auffällige". Wer es sich dort auch noch verscherzt, der muss dann echt blöd - oder eben angeschwärzt worden sein. Samstag, 28. Mai 2005Daddelbefehl.Ahh, the memories, the memories! Und: Diese moderne Multiplayer-Adaption macht mehr Spaß als so manches überkandiertes 3d-hyper-mega-Aufguss-Spielchen. Schlimm nur, dass ich gegen Paul keine Chance habe. Niemals. :-) Samstag, 21. Mai 2005BreitbandHab ich mich ertappt und argumentiert: Deutschland definiert als Breitband alles, was mehr als 512kbit leistet. Oeh, Moment.. "leisten"? Das ist nämlich keine Leistung, das ist eine Schmach für alle Deutschen, die sehen, wie es im nahegelegenen europäischen Ausland schon 10 Megabit für das selbe Geld gibt. Z.B. Schweden, Norwegen, Finnland... Liest man auf http://www.europa.eu.int/pol/infso/overview_de.htm .. so ist bedenklich, ob man es bis 2010 überhaupt schaffen kann - wenn doch solche "Zugpferde" der EU wie Deutschland die Entwicklung eher lähmen als vorantreiben geben. Der Fall des Monopols vor Jaaaaaahren hat nicht viel gebracht. Das Quasi-Telekom-Monopol verzögert immernoch wichtige Entwicklungen. 1998, ISDN war nicht superschnell, wie es die Telekom proklamierte... nein, es war längst veraltet. In den USA gab es seit längerem Kabel-Anschlüsse und die DSL-Technik. In Deutschland hörte man eben noch kein Wort davon.Das mag so manchen an Waschmittelwerbung erinnern, die das derzeitige Waschmittel immer besser darstellt als alle vorherigen Mittel, selbst wenn es offensichtlich nicht stimmen kann. Liebe EU, ich glaube nicht, dass die Definition von Breitband in Deutschland bis 2010 mindestens 10 Megabit bedeutet. Vor allem nicht, wenn andere Länder weiter ihren Standard erhöhen und Deutschland vergleichbar weit zurückbleibt. Viel Glück EU, der Durchschnitt machts, was? Paul Montag, 9. Mai 2005Der Vortrag von Ministerpräsident Teufel a.D.:
Eine beeindruckende Dreiviertelstunde war das heute an der Hochschule Pforzheim. Der Audimax - heillos überfüllt. Ein beeindruckendes Plädoyer für eine gelebte europäische Subsidiarität und für ein starkes Europa als Friedens- und Wohlstandsgarant.
Mehr in den nächsten Tagen: Ich habe etwa zehn Seiten handschriftliche Notizen.
Geschrieben von Nikolaus Klumpp
in Gesellschaft, Pforzheim, Ökonomie
um
22:50
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Der Logan kommt.
Der Dacia Logan wird ab Juni im westlichen Europa zu haben sein, so der Spiegel Online. Viel Diskurs bisher um dieses kleine Auto - kein Wunder, war der französisch-japanische Renault/Nissan-Konzern doch der erste, der erkannte, dass der Markt sich geändert hatte - und es auch zugab und reagierte. Der Trend ging jahrelang hin zu mehr "Features", zu mehr Komfort zweifelhafter Natur: Mehrwert und.. Mehrpreis waren angesagt.Inzwischen allerdings sind mehr und mehr Käufer bereit, ein wenig auf das Prestige einer Nobelmarke, eines Nobelmodells zu verzichten - zugunsten des wahrgenommenen "Values".
Natürlich kann ein Wagen wie der Logan nur im ach so gemeinen Billiglohn-Ausland hergestellt werden. Aber: Ist das schlimm? Das ist nunmal die unsichtbare, lenkende Hand des Marktes - und wir hier in Deutschland können uns auf das konzentrieren, was wir wirklich gut können: High Tech zu produzieren und Spitze in Forschung und Anwendung zu sein - es wird nämlich langsam wieder Zeit dafür. (Mir ist es lieber, ein "Billigauto" wird in Europa hergestellt, als dass es aus China oder Brasilien importiert wird. Warum? Unsere Volkswirtschaft kann aufgrund der größeren Verflechtung mit Rest-Europa eher noch davon profitieren.) Vielleicht liegt es ja daran, dass sie noch nicht in der EU sind?
Endlich sind die schweren Überflutungen in Rumänien auch im deutschen TV angekommen. Seit wie vielen Tagen halten die sintflutartigen Regenfälle dort nun an? Bei dieser media coverage hätte man bisher meinen können, das Land läge auf einem anderen Kontinent und nicht in Europa.
Immerhin hat ein Vizepräsident des Bundestags bereits einen Spendenaufruf gestartet. Vor Tagen! Samstag, 7. Mai 2005GMail legt vor, alle legen nach.. alle?
Hübsch, hübsch: Zuerst selbst bemerkt, dann auf Golem gelesen: Yahoo! hat auch für seine europäischen Kunden die Größe des Mailpostfachs auf ein sattes Gigabyte erhöht. Schick ist's wohl eher aus Marketinggründen, wie Golem auch anmerkt, aber natürlich freut man sich als Kunde über mehr Bequemlichkeit. Denn: Mehr Platz - weniger löschen und weniger oft sortieren. ;-) Je größer die Wohnung desto unaufgeräumter..Wichtiger scheint mir aber das schon vor einigen Wochen durchgeführte behutsame Update der Weboberfläche. Type-Ahead-Adress-Suche ist beispielsweise eine sehr praktische Sache. Google hat da gut vorgelegt, Y!M zog nach, und was ist mit GMX?
Nichts. Bisher jedenfalls - noch immer die dröge altbackene UI. Und keine befriedigende Antwort, als ich vor ein paar Wochen eine Anregung einsandte - "man werde die Vorschläge prüfen". Na, man kann sich auch zum letzten Platz im Markt hinprüfen.. So, so - fünf bis sieben Jahre Aufbau- und Restrukturierungsarbeit sind also "zügellose Gier"
In einem Artikel auf Spiegel Online wehrt sich der Deutschland-Chef von KKR, Johannes Huth, gegen die sogenannte "Kapitalismuskritik" des Herrn Müntefering. Ich weiß nicht, ob das sonst noch jemandem aufgefallen ist, aber: Wie kommt es, dass man ansonsten fast unwidersprochen Firmen mit einem Anlagehorizont von fünf bis sieben Jahren die Gier nach dem schnellen Euro unterstellen kann? Firmen wie KKR sind längst nicht mehr die "Corporate Raiders" der vergangenen Tage, und wenn sie es auch ab und an noch sein mögen: Das alte Management der Zielunternehmen hatte dann wohl lange genug Zeit gehabt, seine Hausaufgaben zu machen und das Unternehmen fit zu halten. Und: Heutzutage halten selbst in einem normalen Großunternehmen die Organisationsstrukturen kaum noch drei, vier unangetastete Jahre durch.. Das Bild der "Heuschrecken", dessen sich Müntefering bediente, passte höchstens auf die Hedgefonds - diese aber bewegen sich komplett im Rahmen der Gesetze. Und wessen Aufgabe ist es, sich um die Gesetze zu kümmern?Richtig, die der Regierung(en).
Ich schäme mich inzwischen beinahe dieser Partei. Was ist aus der Sozialdemokratie geworden, was ist aus unserem System geworden?
Geschrieben von Nikolaus Klumpp
in Gesellschaft, Ökonomie
um
09:18
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Freitag, 6. Mai 2005Korrektur! Korrektur!
Gibt es jemand, der angesichts der korrigierten Erwartungen zur Steuereinnahme wirklich überrascht ist? Die Konsumstimmung im Lande ist vermutlich nicht die beste - wie denn auch, wenn alle Angst haben müssen, dass die sozialen Sicherungssysteme endgültig zusammenbrechen? "Die Rente ist sicher." Die Frage ist nur, wie sicher - und wie lange. Und wie sicher und wie lange wird es noch die Pflegeversicherung geben? Und dann ist dann noch Hartz IV, das Damoklesschwert über dem Haupte vieler - jeder kennt doch jemanden, der bereits ALG II beziehen "darf". Vielleicht ist auch dem einen oder anderen auch das weggefallene Sterbegeld aufgefallen..
Kein Wunder, dass die Angst um sich greift. Oder? Sonntag, 1. Mai 2005Die Chinesen sind überall..und nicht nur an jeder Ecke mit den leckeren Schnellimbissen und Restaurants: Sogar auf meinem Nachttisch haben sie sich breitgemacht, und das ohne, dass ich es mitbekommen hätte. ;-) Bei dem erfolglosen Versuch, meinen nervenden Wecker, so schlaftrunken wie ich war, zum Schweigen zu bringen, ist er der physikalischen Notwendigkeit anheim gefallen und wurde mit 9,81m/s² in Richtung Erdboden beschleunigt. Sprich: Ich habe ihn versehentlich heruntergeschubst, und natürlich musste er bei diesem Malheur auch tatsächlich das Zeitliche segnen. Letzte Hoffnungen, dass vielleicht nur die Batterie nicht mehr wollte, zerschlugen sich. Aber dafür habe ich bei der genaueren Untersuchung die Marke meines treuen Begleiters herausgefunden: TIANGUAN(r). Besonders europäisch hört sich das natürlich nicht an, aber ist ein nettes Beispiel dafür, dass eine Volkswirtschaft zuerst mit "Commodities", relativ einfach herzustellenden Allerweltswaren, zum Sprung ansetzt. So haben es die Deutschen in ihrer Industrialisierungszeit gemacht, so die Japaner nach dem zweiten Weltkrieg, die Taiwanesen und Koreaner etwas später - und nun die Chinesen, zunächst heimlich still und leise. (Ich hatte nicht gewusst, dass der verblichene Wecker aus China kam - aber gejuckt hat es mich auch nicht. Warum auch?)Inzwischen hat Lenovo ja die PC-Sparte von IBM gekauft - ein gutes Zeichen dafür, dass die Zeit der Commodities langsam aber sicher zu Ende geht.
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